Wer verstehen will, warum im Le Mirabeau Resort & Spa französische Lebensart auf Walliser Boden gedeiht, muss ins Jahr 1975 zurückgehen. Damals baute Meinrad Julen, ein Pionier der Zermatter Hotellerie, ein neues Hotel im Dorf: 80 Betten, dazu öffentliche Räume ganz im Geschmack der Siebzigerjahre, mit Blumenmustern und kräftigen Farben. Den Namen fand er unterwegs. Auf einer Reise mit dem Hotelierverein logierte Meinrad Julen in einem Hotel Mirabeau - der französische Klang gefiel ihm so gut, dass er sein neustes Projekt kurzerhand danach taufte. Es war eine Ahnung dessen, was aus dem Haus einmal werden sollte.
Vier Jahre später übernahm die zweite Generation. Sepp und Rose Julen waren frisch verheiratet, die erste Tochter Anna unterwegs, als sie 1979 die Verantwortung für das Mirabeau übernahmen. Sepp Julen hatte sein Handwerk von Grund auf gelernt: erst die Kochlehre, dann Wanderjahre in der Westschweiz, schliesslich der Abschluss an der Ecole Hôtelière de Lausanne, bevor er 1974 in den Familienbetrieb eintrat. Gemeinsam mit Rose baute er das Haus Schritt für Schritt aus - ein Pool samt Sauna kam hinzu, vor allem aber eine Idee, die damals kühn war: französische Küche im Walliser Bergdorf. 1987 eröffnete das Paar mit dem Corbeau d'Or das erste französische Gourmetrestaurant Zermatts. Die Nouvelle Cuisine, die dort serviert wurde, sorgte im Dorf durchaus für Diskussionen - und prägte über drei Jahrzehnte den Ruf des Hauses, bis die dritte Generation die Gastronomie 2014 neu ausrichtete. Die französische Handschrift ist geblieben, bis heute. Sepp Julen engagierte sich weit über das eigene Haus hinaus: Mehr als zehn Jahre stand er dem Hotelierverein Zermatt als Präsident vor und wirkte im Vorstand von Zermatt Tourismus mit. Im Betrieb galt für die Familie eine einfache Regel: Jeder Gast soll mindestens einmal am Tag persönlich mit einem Mitglied der Gastgeberfamilie in Kontakt kommen. 2004 setzten Sepp und Rose einen weiteren Meilenstein und bauten die Alpine Residence - Junior Suiten aus altem Tannen- und Lärchenholz, Granit, Wollfilz, Leinen und Loden, dazu das Alpine Hideaway Spa und ein unterirdischer Verbindungsgang zum Haupthaus.
Die dritte Generation wuchs zwischen Lobby, Küche und Réception auf. Marie Julen studierte wie ihr Vater an der EHL in Lausanne - und lernte dort Francis Reichenbach kennen, den Sohn einer Gstaader Hoteliersfamilie. Nach Berufsjahren in Europa und Asien kehrte das Paar 2014 nach Zermatt zurück und setzte eigene Akzente: Das Restaurant Veranda entstand, und mit Marie's Deli eröffnete ein Konzept, dessen Name eine weitere Familiengeschichte erzählt - Urgrosstante Marie besass in den 1960er Jahren den ersten Delikatessenladen Zermatts. Am 1. Juni 2018, nach vierzig Jahren an der Spitze, übergaben Sepp und Rose Julen die operative Leitung an Francis und Marie Reichenbach-Julen. Für Marie war es die Rückkehr an den Ort, an dem sie gross geworden ist - das Hotel ist für sie Familienunternehmen und Zuhause zugleich. Unter der Führung der dritten Generation ist aus dem Hotel ein Resort geworden, das sich heute über vier Gebäude erstreckt: Zum Rebranding als Le Mirabeau Resort & Spa kamen der Neubau mit Familien-Suiten und Apartmenteinheiten, ein erweitertes Spa und zuletzt die neue Aussenwelt mit beheiztem Aussenpool, Garten und Terrasse. So führt das Paar das Haus mit jener Mischung aus Walliser Bodenständigkeit und französischer Art de Vivre weiter, die es seit 1975 auszeichnet - und schreibt zugleich das nächste Kapitel.